In dieser Woche haben Pastor Ludwig und ich an einer interessanten Veranstaltung in Siegen teilgenommen. Die Bundestagung der Seelsorgerinnen und Seelsorger an Kolumbarien und Grabeskirchen findet alle 2 Jahre statt. Da kommen Leute hin, die in Pfarreien oder Patoralen Räumen selber ein Kolumbarium betreiben, entweder in Verbindung mit einer nach wie vor aktiv für Gottesdienst genutzten KIrche (so wie bei uns in der Karmeliterkirche) oder auch in Kirchen, die im Gesamten entwidmet (profaniert) wurden, und die "nur noch" ein Friedhof mit Urnengrabstätten sind. Das läuft in den Bistümern Deutschlands ziemlich unterschiedlich.
Interessant war auch die Feststellung, dass es geradezu eine Ost-West-Linie durch Deutschland gibt. Im Westen, v.a. im Nachbarbereich der Grenze zu den Niederlanden und im nördlichen Teil Deutschlands, gibt es zahlreiche Kolumbarien. Im Süden und Osten eigentlich fast gar nicht.
Mit der Gestaltung einer Trauerfeier und der Beisetzung in einem christlichen Kolumbarium haben wir eigentlich "das effektivste Live-Event im Kontext der Kirche" zu bieten. So hat es einer der Teilnehmer ausgedrückt.
Da ist was dran, ich will dem gerne zustimmen. Abschied und Trauer sind höchst sensible Lebensmomente der HInterbliebenen eines Verstorbenen. Hier kann man viel falsch machen - aber auch viel Gutes.
Da sind die hauptamtlichen Seelsorger gefragt, aber auch alle anderen, die im Umfeld der Trauer von Menschen tätig sind. In vielen Gemeinden gibt es mittlerweile auch ehrenamtliche Beauftragte für die Bestattung und die Gestaltung von Trauerfeiern. Ich kenne eine ganze Reihe von ihnen und hätte nichts dagegen, wenn sich auch bei uns Leute finden, die (nach einer "Grundausbildung", die das Bistum Trier jedes Jahr anbietet) einfühlsam Trauernde begleiten und Verstorbene beisetzen. Auf meiner vorherigen Stelle als Pastor in Andernach habe ich dabei manche gute Erfahrung machen dürfen...
In der Kolumbarium-Kirche in Siegen (das Bild oben zeigt den Blick in diese Kirche hinein, die Grabkammern befinden sich in den Wänden und in den blauen Glaskästen mitten im Kirchenschiff) haben sich nun rund 30 Seelsorgerinnen und Seelsorger sowie einige Verwaltungskräfte aus dem einzelnen Grabkirchen quer durch Deutschland getroffen und ihre Erfahrungen ausgetauscht. Dabei haben wir Initiativen und Ideen besprochen, die andernorts gut gehen, aber auch im eigenen Kolumbarium möglich sein könnten. Wir werden sehen, ob sich das eine oder andere auch bei uns umsetzen und etablieren läßt...
Wichtig für uns war aber die Einsicht, dass wir mit der Entwicklung unseres Kolumbariums in Boppard auf einem guten Weg sind und die angestrebte Erweiterung des Angebots an Grabstätten wichtig und notwendig ist. Dabei nicht nur auf die Zahl der belegten Kammern zu achten, sondern v. a. auch die Verstorbenen und die Angehörigen im Blick zu behalte - das ist, worauf es ankommt. Im Angesicht des Todes glaubwürdig von der Hoffnung auf die Auferstehung zu sprechen, und in der Art und Weise, dem Anlass eine möglichst individuelle Feierlichkeit zu geben, das ist unser Anspruch. Mal gelingt es besser, mal weniger. Aber wir bleiben dran...
Ich freue mich jetzt schon auf die Feier der Osternacht. Das ist einer der Höhepunkte im ganzen Jahr. In dieser Feier beginnen wir das Gedenken an Tod und Auferstehung Jesu nämlich in der Grabkammer des Kolumbariums. Dort wird die Osterkerze entzündet, deren Licht kurze Zeit später die ganze Karmeliterkirche erhellt. Ein unbeschreiblich schöner und hoffnungsvoller Moment, der vom Ort der Verstorbenen in die Gemeinschaft der Lebenden überspringt.
Der kommende 4. Sonntag der Fastenzeit (Laetare) nimmt ein bißchen was von der Osterfreude vorweg - und zeigt hoffnungsvoll, wie sehr jeder sich drauf freuen kann, von Gott angenommen zu sein, selbst wenn im Leben manches schief läuft. Das Gleichnis vom barmherzigen Vater, das wir am Sonntag hören, macht Mut, Gott in jeder Lebenssituation über den Weg zu trauen. Sogar im Tod...
Ich wünsche Ihnen den Segen des Sonntags ,
Ihr Pastor Stefan Dumont |